Wie bekommt man Arbeit und Privatleben unter einen Hut?

Inge Geerdens

Frauen in Spitzenpositionen werden häufig als berufliche Rollenvorbilder gehypt. Man denke nur an Sheryl Sandberg, Arianna Huffington und Beyoncé Knowles. Aber die meisten Geschäftsfrauen machen die Erfahrung, dass es anscheinend etwas Seltsames an sich hat, Unternehmerin zu sein. Gespräche drehen sich oft eher darum, dass wir Frauen sind, nicht um den Umstand, dass wir Unternehmerinnen sind.

 

Bei Netzwerkveranstaltungen fragen die Leute selten nach meinen beruflichen Erfolgen, auch wenn man durchaus sagen kann, dass ich recht erfolgreich bin. Ich habe zwei Unternehmen von Grund auf aufgebaut. Vor ein paar Jahren habe ich eines davon – eine Headhunterfirma – an einen der belgischen Marktführer verkauft. Und mein anderes Unternehmen läuft auch immer noch sehr gut: CVWarehouse ist ein Software-Tool für klügere Personalentscheidungen. Ich bin außerdem als Hauptrednerin ziemlich gefragt und meine Blogs zu Unternehmertum und Intrapreneurship erfreuen sich einiger Beliebtheit.

 

 

 

 

 

Aber statt zu diesen Themen werde ich immer wieder dasselbe gefragt: „Wie bekommen Sie als Mutter dreier Kinder Ihre Arbeit und Ihr Privatleben unter einen Hut? Bekommen Sie Ihre Kinder auch oft genug zu Gesicht?“ usw. Das sind nicht die Themen, über die meine männlichen Pendants ein paar Meter weiter sprechen.

 

 

 

 

 

Oft mache ich mir nicht die Mühe, auf solche Fragen zu antworten. Stattdessen versuche ich das Thema auf etwas zu lenken, über das ich wirklich reden möchte, z. B. die Ausweitung meines Unternehmens auf ganz Europa oder die Herausforderungen von Start-ups in unserer Region.

 

 

 

 

 

Was ich am liebsten antworten würde: „Ich versuche nicht, mein Privat- und mein Berufsleben unter einen Hut zu bekommen. Mein Ziel ist es einfach, ein tolles Leben zu haben. Ihnen kann ich nur dasselbe empfehlen.“

 

 

 

 

 

Seitdem ich 2003 mein erstes Unternehmen gegründet habe, nimmt mein Berufsleben sehr viel meiner Zeit in Anspruch. Ich habe schon so manches erlebt: Erfolge, Niederlagen, Krisen, Expansion, neue Entwicklungen und die Herausforderungen des Tagesgeschäfts. Das geht oft auf Kosten meines Privatlebens. Aber keine Sorge: Ich liebe meine Kinder genau wie andere Eltern auch. Und wenn wir dann Zeit miteinander verbringen, bin ich wirklich ganz da.

 

 

 

 

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Manchmal zwingt mich eine Krise, auf einen Familienurlaub zu verzichten, und ich komme häufig zu spät von der Arbeit nach Hause, um meine Kinder noch zuzudecken. Wie ich höre, passiert das auch Unternehmern und ganz allgemein Leuten mit Unternehmergeist. Also kann das wohl auch Frauen passieren. Meinen Sie nicht?