Style Switcher

Von reflektierender Kleidung zur Personalvermittlung: der Traum einer estländischen Unternehmerin, „in der Welt etwas zu bewegen“

Karoli Hindriks

Die Estin Karoli Hindriks erzählt, sie habe sich entschlossen, Unternehmerin zu werden, „weil das Leben zu kurz ist, um in der Welt nichts zu bewegen“. Die Leiterin und Gründerin von Jobbatical, einer Plattform, die Technikunternehmen und Fachkräfte, die gern im Ausland arbeiten möchten, zusammenbringt, hat eine Leidenschaft dafür, „Wände und Grenzen einzureißen“, um Menschen zu helfen, andere Teile der Welt zu sehen.

Karoli gründete Jobbatical vor über zwei Jahren, aber ihr unternehmerischer Ehrgeiz zeigte sich schon viel früher, 1999, als sie gerade 16 Jahre alt war. Im Rahmen eines Programms für Jungunternehmer entwickelte sie eine Idee, um schöne, reflektierende Accessoires für Schüler herzustellen, die im Dunkeln zur Schule und wieder nach Hause gehen mussten.

 

Die Idee, Sicherheit und Mode zu verbinden, brachte Karoli viel Anerkennung und nach einem Austauschprogramm in den USA entschied sie sich, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. „Ich konnte diese Entscheidung treffen, weil ich im Alter von 16 Jahren nach Hause kam, meiner Familie von dieser Idee erzählte und mein Vater sie großartig fand. Anstatt mir zu sagen, ich solle mir das aus dem Kopf schlagen, ermutigte er mich, beim Patentamt anzurufen, um zu sehen, ob ich auch die Erste mit dieser Idee war“, erinnert sie sich.

 

Sie schaffte es, ein Patent für ihre trendigen Reflektoren zu erhalten, die man an der Kleidung anbringen kann, beschaffte sich einen Kredit und erhielt staatliche Fördermittel, sodass sie schließlich ihre Marke GoodMood ins Leben rufen konnte. Das Unternehmen wurde international erfolgreich, als sich die reflektierenden Produkte langsam auch außerhalb Estlands verkauften – in Island, der Schweiz, Belgien, Portugal, dem Vereinigten Königreich und Schweden.

 

„Als ich 16 war, erkannte ich, dass meine Idee in der Welt tatsächlich etwas bewegte. Ich lernte auch, wie einfach es ist, etwas zum Laufen zu bringen. Und seitdem habe ich einfach nicht mehr aufgehört“, sagt Karoli.

 

Danach half sie, die TV-Sender MTV Estonia und Fox International im Baltikum aufzubauen. Nach fast einem Jahrzehnt in den Medien kehrte Karoli zu ihren unternehmerischen Wurzeln zurück und gründete 2014 Jobbatical mit.

 

„Estland ist ein kleines Land und daher stammt auch meine Idee: Wir haben internationale Freunde und interessieren uns in beruflicher Hinsicht nicht mehr nur für unser eigenes Land. Ich begann, zu überlegen, im Ausland zu arbeiten, dachte mir dann aber, dass es in meinem Land an Talenten fehlt – es gibt ja nur eine Million von uns. Warum inspirieren wir also nicht Ausländer, hierherzuziehen, hier zu leben und zu arbeiten?“, erinnert sie sich.

 

Als Karoli auf die Welt kam, war Estland noch von der Sowjetunion besetzt. Heute glaubt sie an eine Welt ohne „Wände und Grenzen“: „Wir möchten Menschen helfen, in andere Länder zu ziehen, weil wir glauben, dass dies dazu beiträgt, Unternehmen innovativer und Gesellschaften toleranter zu machen.“

 

Jobbatical bringt nicht nur Technikunternehmen mit internationalen Fachkräften zusammen, es unterstützt auch Mitarbeiter beim Umzug ins Ausland und kümmert sich dabei nicht nur um den Rekrutierungsprozess, sondern auch um die Einreiseverfahren.

 

Das von Karoli sowie Allan Māeots und Ronald Hindriks (Karolis Bruder) gegründete internationale Personalvermittlungsunternehmen mit Sitz in Tallinn beschäftigt heute 27 Mitarbeiter aus 11 Ländern.

 

Zurückblickend räumt Karoli ein, eine der größten Herausforderungen sei gewesen, Investoren zu überzeugen, an ihre Idee zu glauben. Das Unternehmen fand seine ersten Investoren in Finnland, dem Vereinigten Königreich und Russland. Sie erklärt: „Ich glaube aber, die größte Herausforderung für Unternehmer ist das eigene Selbstbewusstsein, ganz besonders am Anfang – wenigstens war das bei mir so.“

 

Sie glaubt, dass Bildung und die Stärkung des Selbstbewusstseins von Kindesbeinen an unerlässlich sind, um Frauen darin zu bestärken, mutig voranzuschreiten. „Ich beobachte meine vierjährige Tochter und sehe, wie Märchen die Menschen in Schubladen stecken: Prinzessinnen und Helden. Und wir müssen uns selbst fragen: Möchte ich meiner Tochter solche Märchen vorlesen? Das Fundament, auf dem man das Selbstbewusstsein aufbaut, um ein Unternehmen aufzubauen, wird bereits in der Kindheit gelegt.“

Tags: 
Wert: