Susana Sargento betont, wie wichtig eine angemessene Unterstützung bei der Unternehmensgründung ist

Susana Sargento
Mitbegründerin des Technologieunternehmens Veniam

Versuchen Sie herauszufinden, was Sie brauchen, um Ihre Idee in die Tat umzusetzen, und wer Ihnen auf diesem Weg wirklich helfen kann.

 

 

 

 

Susana Sargento, Mitbegründerin des Technologieunternehmens Veniam

Nach ihrem PhD in Elektrotechnik wurde Susana Sargento Forscherin und Universitätsprofessorin im Bereich Telekommunikation. 2012 gründete sie mit anderen zusammen das Fahrzeugnetz-Unternehmen Veniam, das eine nahtlose und kostengünstige fahrzeugbasierte Internetinfrastruktur bereitstellt. Susana hat zudem an mehreren nationalen und internationalen Projekten mitgewirkt, unter anderem 4WARD, Euro-NF und DRIVE-IN und gewann den EU-Innovationspreis für Frauen 2016. Welchen Rat kann sie angehenden Unternehmern und Unternehmerinnen vor dem Hintergrund ihrer vielfältigen Erfahrungen geben?

 

WEgate: Können Sie uns mehr über Ihr Unternehmen erzählen?

 

Susana Sargento: Gemäß unserer Idee einer Netzwerkkommunikation bilden Fahrzeuge und alles, was sich bewegt, das Kommunikationsnetz. Diese bahnbrechende Herangehensweise wird Netzwerke auf der ganzen Welt verändern.

 

Die Idee entstand zunächst in der Forschungsgemeinschaft und sollte Fahrzeugen ermöglichen, aus Sicherheitsgründen miteinander zu kommunizieren, zum Beispiel für Unfallmeldungen und Straßen- und Verkehrsinformationen. Wir haben uns dieses Konzept viel umfassender zunutze gemacht, um eine „allgemeine Kommunikationsunterstützung“ anzubieten, d. h. wir konnten zusätzlich zu den Sicherheitsaspekten einen Internetzugang auf den Straßen und Fahrwegen bereitstellen.

 

Außerdem können wir unser Netz nutzen, um im Rahmen von „Smart City“-Konzepten Informationen von Sensoren zu sammeln, die Verkehrseffizienz zu verbessern, in anspruchsvollen Umgebungen (z. B. Häfen, Flughäfen, Baustellen und Großfabriken) zu kommunizieren und Logistik- und Betriebsinformationen zu sammeln. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind Apps für Bürger, Touristen und Pendler in der Stadt und die Verbesserung des Stadtlebens und des städtischen Umfelds.     

 

In der aktuellen Phase arbeiten fast 50 Leute bei Veniam, wir rechnen aber mit einem starken Anstieg der Mitarbeiterzahl im Laufe des Jahres.

 

Was oder wer hat Sie dazu inspiriert, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

 

Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ein Projekt, an dem ich bei CMU-Portugal arbeitete, solche Auswirkungen haben würde. Wir hatten zugesagt, 500 Taxis zu verbinden, aber beim Standard für Kommunikationssysteme für Fahrzeuge (IEEE 802.11p) gab es Verzögerungen und es stand keine Ausstattung zu angemessenen Kosten zur Verfügung.

 

Ich war für die Kommunikationsausstattung verantwortlich, daher musste ich eine Lösung finden, damit unsere Fahrzeuge kommunizieren konnten. Mit der Hilfe von einigen großartigen Studenten haben wir es geschafft, die Technologie selbst zu entwickeln und sie von Anfang an in die vorhandene Wi-Fi- und Mobilfunktechnologie zu integrieren. Unsere erste Demo 2011 zeigte eine Kommunikation zwischen Fahrzeugen, bei der das vordere Fahrzeug Webcam-Aufnahmen an das Hinterfahrzeug sendete, so dass es die vor ihm liegende Straße und die vor ihm fahrenden Fahrzeuge sehen konnte. In einem nächsten Schritt testeten wir unseren „schnellen Übergabemechanismus“ zwischen IEEE 802.11p, Wi-Fi und Mobilfunk, der uns ermöglichte, ein fahrzeugbezogenes Netzwerk in einer Stadt aufzubauen, die nur zur Hälfte mit IEEE 802.11p kompatiblen Stationen abgedeckt ist.

 

In dieser Phase bekamen wir begeisterte Rückmeldungen von allen Seiten, von der Forschung bis hin zur Industrie, also entschlossen wir uns, Veniam zu gründen, um diesen Ansatz weiterzuentwickeln und ihn der Welt anzubieten!

 

Welche Herausforderungen sind Ihnen begegnet, als Sie sich zur Gründung Ihres Unternehmens entschlossen? Erhielten Sie irgendeine Form von Unterstützung durch Organisationen?

 

Wir standen anfangs vor vielen Herausforderungen, vor allem weil ich und mein Kollege João Barros Professoren waren und keine Erfahrungen mit dem Unternehmertum hatten. Aber vielleicht haben wir gerade deshalb einige richtige Entscheidungen getroffen, die später den entscheidenden Unterschied machten:

 

  • Gleich zu Beginn schlossen wir uns mit erfahrenen Geschäftsleuten aus den USA (Robin Chase und Roy Russel) zusammen;
  • Wir wandten uns sofort an Business Angels und Wagniskapitalgeber, um unser Unternehmen zu erweitern;
  • Wir bewarben uns bei Unternehmenswettbewerben innerhalb und außerhalb von Portugal und gewannen sie; das gab uns die Anerkennung, die wir benötigten, um voranzukommen.

Das Unternehmertum gilt häufig immer noch als Männerdomäne. Was würden Sie jungen Frauen raten, die Unternehmerin werden möchten?

 

Gute Beispiele sind immer äußerst wichtig als Inspirationsquelle, denn dank ihnen können Menschen an sich selbst glauben. Menschen haben häufig Ideen, haben aber Angst, sie praktisch umzusetzen. Bei mir war es so, dass ich schon die Idee hatte, ein Unternehmen zu gründen, bevor mein Kollege an mich herantrat – aber ich zögerte, den ersten Schritt zu tun.

 

Haben Sie keine Angst, Risiken einzugehen, wenn Sie als Frau eine Idee haben, die erfolgversprechend sein könnte. Greifen Sie einfach nach den Sternen, wenn Ihre Idee neu ist und es dafür ein Geschäftsmodell gibt! Versuchen Sie herauszufinden, was Sie brauchen, um Ihre Idee in die Tat umzusetzen, und wer Ihnen auf diesem Weg wirklich helfen kann, denn bei der Unternehmensgründung sind zwischenmenschliche Beziehungen von zentraler Bedeutung. Menschen mit guten Kontakten, die bei der Finanzierung und bei der Kundengewinnung Unterstützung leisten können, sind wichtig, aber Sie müssen auch Menschen, die Ihre Vision und Inspiration teilen, für eine Zusammenarbeit gewinnen; Menschen, die das Wachstum Ihres Start-ups fördern können.

 

Welcher Teil Ihrer Arbeit macht Ihnen am meisten Spaß?

 

Wenn ich nach den nächsten Schritten gefragt werde, denke ich an die nächsten Entwicklungen und Innovationen, die zur Verbesserung des Lebens des Durchschnittsnutzers sinnvoll sind. Vor der Gründung unseres Unternehmens war ich der Forschung verpflichtet, jetzt kann ich nur noch über die Forschung nachdenken, wenn ich eine innovative Einsatzmöglichkeit sehe, bei der echte Nutzer eine Entwicklung testen.

 

Das liebe ich an meiner Arbeit: die Forschung und die Erkundung neuer Ideen!

 

Lieblingszitat/Motto?

 

Ich habe eigentlich kein Lieblingszitat oder Motto, aber ich versuche mich immer nach folgendem Grundsatz zu richten: Wenn ich gut bin und bei allem mein Bestes gebe, können sich nur großartige Dinge ergeben. Das trifft schon mein ganzes Leben lang zu. Ich arbeite nicht mit einer besonderen Mission, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern die Ziele ergeben sich aus der Leidenschaft, mit der ich alles tue.