Sich zwischen Geschäft und Familie zu entscheiden, war für Aneta Antova-Pesheva keine Option

Aneta Antova-Pesheva
Eigentümerin und Geschäftsführerin von Ultra/Unet Group

Aus meiner Sicht kann das Wachstumspotenzial des Unternehmens nur aus dem ständigen Zufluss junger, innovativer Menschen entstehen, deren Mitwirkung im Unternehmen gestärkt werden muss, ohne Fragen der Leistung und der Geschlechtergleichstellung außer Acht zu lassen.

 

 

Aneta Antova-Pesheva, Eigentümerin und Geschäftsführerin von Ultra/Unet Group

  • Ultra und Unet sind IT-Unternehmen
  • Unter den führenden Softwareherstellern in ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien
  • Aneta ist zudem Mutter und Elektroingenieuri

Nach ihrem Hochschulstudium in Elektrotechnik beschloss Aneta Antova-Pesheva 1988, ein eigenes Unternehmen zu gründen – obwohl ihre Eltern dagegen waren. Sie suchte nach einer neuen Herausforderung und teilte ihr erstes Büro mit drei ehemaligen Kommilitonen in einer Zweizimmerwohnung. Sie ist der lebende Beweis dafür, dass Erfahrungen in einem bestimmten Bereich genauso wertvoll sein können wie Managementschulungen und dass manchmal Fehler die besten Lehrmeister sind. 

 

WEgate: Erzählen Sie uns mehr über Ihr Unternehmen

 

Aneta Antova-Pesheva: Ich habe mein Unternehmen vor 28 Jahren nach meinem Studium gegründet, als mein Land noch zu Jugoslawien gehörte. Heute ist das Unternehmen einer der führenden Softwarehersteller, Systemintegratoren und IBM-Vertreter in Mazedonien. Wir arbeiten mit den größten Finanzinstituten, Telekommunikationsbetreibern, Versicherungsgesellschaften und Krankenhäusern sowie mit dem Finanzministerium, Finanzamt, Innenministerium und vielen weiteren großen Institutionen und Unternehmen zusammen.

 

Wir können mit Stolz sagen, dass wir vor 22 Jahren, sogar noch vor den Telekommunikationsbetreibern, der erste Internetanbieter waren. Wir haben mittlerweile unser eigenes Cloud-System, um Cloud-Speicherkapazitäten zu hosten und zu vermieten, unsere eigene Abteilung für Webentwicklung und wir sind die erste Registrierungsstelle für Domains in Mazedonien. Und wir folgen stets den wichtigsten Trends.

 

Als wir angefangen haben, waren wir gerade mal zu viert, aber heute beschäftigt das Unternehmen etwa 100 Mitarbeiter, von denen die meisten Software- und Hardware-Ingenieure sind. Unsere Mitarbeiter sind sehr jung – einige haben gerade erst ihr Universitätsstudium abgeschlossen – aber ich glaube, es macht ihnen Freude, neben erfahreneren Kollegen ein Teil dieser großen IT-Erfolgsgeschichte in unserem Land zu sein.

 

Auf gewisse Weise ist unser Unternehmen wie ein IT-Accelerator in Mazedonien. Viele unserer Mitarbeiter haben sich irgendwann dazu entschieden, eine eigene Karriere im IT-Bereich, also außerhalb des Unternehmens, zu verfolgen. Sie sind in der IT-Gemeinschaft in Mazedonien sehr erfolgreich und anerkannt – darauf bin ich ungemein stolz. Aus meiner Sicht kann das Wachstumspotenzial des Unternehmens nur aus dem ständigen Zufluss junger, innovativer Menschen entstehen, deren Mitwirkung im Team gestärkt werden muss, ohne Fragen der Leistung und der Geschlechtergleichstellung außer Acht zu lassen.

 

Was oder wer hat Sie dazu inspiriert, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

 

Wenn ich heute zurückblicke, kann ich mich nicht mehr richtig erinnern, wer oder was mich zur Unternehmensgründung inspiriert hat. Damals gab es nicht viele Privatunternehmen, da Jugoslawien fast als kommunistischer Staat galt. Was ich aber sicher weiß, ist, dass ich keinen „sozialistischen“ Mainstream mochte. Wenn man einen Abschluss von einer guten Universität hatte und als Ingenieur bzw. Ingenieurin tätig werden wollte, wurde erwartet, dass man für eines der großen Unternehmen in Staatsbesitz oder für lokale Regierungsbehörden arbeitete. Zu jener Zeit sagte uns die Bildungsschicht, zu der auch meine Eltern gehörten, dass wir nicht aus der Reihe tanzen und kein Privatunternehmen gründen sollten. Aber ich blieb hartnäckig und enttäuschte alle, als ich beschloss, gegen den Strom zu schwimmen.

 

Ich war auf der Suche nach etwas anderem, etwas Neuem, und nein, es war nicht das Geld! Ich brauchte eine Herausforderung. Meine weiblichen Instinkte rieten mir, das Risiko einzugehen, und das tat ich dann auch. 1988 gründete ich mit ein paar Kollegen aus der Universität mein eigenes Unternehmen in einer kleinen Zweizimmerwohnung, wo mein erstes Büro – also das Büro der Hauptgeschäftsführerin – ironischerweise in der Küche war.

 

Welche Herausforderungen sind Ihnen begegnet, als Sie sich zur Gründung Ihres Unternehmens entschlossen? Erhielten Sie irgendeine Form von Unterstützung durch Organisationen?

 

Obwohl ich Elektroingenieurin war, war mir von Anfang an bewusst, wie wichtig die Finanzen waren. Schon am ersten Tag stellte ich einen Jungökonomen ein, der sich der Buchhaltung und der Finanzen annehmen sollte. Als wir aber von der Steuerbehörde im Anschluss an unsere erste Prüfung einen katastrophalen Bericht erhielten, wurde uns schnell klar, wie unerfahren er wirklich war.

 

Das zeigte mir deutlich, dass ich die Sache selbst in die Hand nehmen musste. Ich stellte für sechs Monate einen Fachmann ein, der mich in die Unternehmens- und Finanzverwaltung einwies. Seither hatte ich nie wieder Schwierigkeiten, Unterlagen, Berichte oder vergleichende Finanzanalysen zu finden, zu kontrollieren oder zu überprüfen, die bei der Führung eines Unternehmens äußerst wichtig sind.

 

Damals gab es noch keine Einrichtungen, wo man lernen konnte, wie man ein Privatunternehmen führt. Außerdem waren die Gesetze, die wir aus Jugoslawien übernahmen, nicht mit kleinen Privatunternehmen kompatibel. Statt einer formalen Ausbildung im Bereich Management lernte ich anhand meiner täglichen Erfahrungen, was für mein Unternehmen am besten funktionierte. Heute ist die Situation viel einfacher. Viele Einrichtungen bieten fachliche Beratung für verschiedene Management-Bereich an und zahlreiche Projekte widmen sich der Unterstützung aufstrebender Unternehmer.

 

Das Unternehmertum gilt häufig immer noch als Männerdomäne. Was würden Sie jungen Frauen raten, die Unternehmerin werden möchten?

 

  1. Folgen Sie Ihren Instinkten
  2. Wir Frauen sind besser darin, Aufgaben konsequent von Anfang bis zum Ende durchzuziehen
  3. Isolieren Sie sich von den Menschen, die nicht an Sie glauben
  4. Denken Sie niemals, dass Sie sich zwischen Geschäft und Familie entscheiden müssen: SIE SCHAFFEN BEIDES
  5. POWER = LOS + LÄCHELN :-)

 

Welcher Teil Ihrer Arbeit macht Ihnen am meisten Spaß?

 

Am meisten Spaß macht mir bei der Arbeit, die zufriedenen Kunden zu sehen. Dann weiß ich, dass mein Traum Realität geworden ist.

 

Lieblingszitat/Motto?

 

Mein persönliches Motto lautet: POWER = LOS + LÄCHELN J

 

Mein Lieblingszitat stammt aus Afrika: „Wenn du schnell gehen willst, geh alleine. Wenn du weit gehen willst, geh mit anderen!“