Paula Fitzsimons: eine begeisterte Unterstützerin des Unternehmertums

Paula Fitzsimons
Gründerin und Geschäftsführerin von Fitzsimons Consulting und Direktorin von „Going for Growth“ und ACORNS

„Suchen Sie nach Unterstützung, wo auch immer sie zu finden ist, und scheuen Sie sich nicht, um Hilfe zu bitten.“

 

 

 

Paula Fitzsimons, Gründerin und Geschäftsführerin von Fitzsimons Consulting und Direktorin von „Going for Growth“ und ACORNS

 

  • Die Schwerpunkte von Fitzsimons Consulting liegen in den Bereichen Unternehmertum und Wachstum
  • „Going for Growth“ ist eine Initiative, die Frauen darin unterstützt, mit ihren Geschäften zu expandieren
  • Paula ist außerdem nationale Koordinatorin für den Global Entrepreneurship Monitor in Irland

Paula Fitzsimons ist Gründerin und Geschäftsführerin von Fitzsimons Consulting, das sich auf Beratungsaufträge für Unternehmertum, Wachstum und sektorale Entwicklungsstrategien spezialisiert hat und sowohl den öffentlichen Sektor als auch private Klienten zu seiner Zielgruppe zählt. Paula ist außerdem seit neun Jahren nationale Direktorin von „Going for Growth“, einer Initiative, die sie zur Unterstützung von Frauen ins Leben gerufen hat, die ihr eigenes Unternehmen gründen und erweitern möchten. Vor kurzem hat sie eine weitere Initiative geschaffen: ACORNS – Accelerating the Creation of Rural Nascent Start-ups („Beschleunigung der Gründung ländlicher angehender Jungunternehmen“). Beide Initiativen beruhen auf einem eigenverantwortlichen Ansatz und dem Gedanken, dass Unternehmer am meisten voneinander lernen. Hier erklärt sie, warum es wichtig ist, Unternehmerinnen zu unterstützen und von ihnen zu lernen.

 

WEgate: Was steckt hinter „Going for Growth“ und wie hilft diese Initiative Unternehmerinnen?

 

Paula Fitzsimons: Die Initiative „Going for Growth“ soll Unternehmerinnen helfen, ehrgeizig zu sein, indem sie ihnen Unterstützung in ihrem Streben nach Wachstum bietet.

 

Wir glauben, dass Unternehmer am besten voneinander lernen. Dementsprechend beruht die Initiative auf interaktiven Sitzungen am runden Tisch, die nicht durch Berater, Akademiker oder professionelle Ausbilder, sondern durch erfolgreiche Unternehmerinnen geleitet werden.

 

Den Teilnehmerinnen wird ein einzigartiges Lernumfeld zur Verfügung gestellt, das auf einem eigenverantwortlichen Ansatz auf Grundlage der geteilten Erfahrungen der leitenden Unternehmerin und anderer Teilnehmerinnen beruht, die gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen haben.

 

Es werden bis zu acht Teilnehmerinnen ausgewählt, die die leitende Unternehmerin im Dialog mit einer Gruppe gleichgesinnter Frauen begleiten. Die Unternehmen sind zwar verschieden, viele Probleme sind jedoch ähnlich. An diesem Tisch wird sich ein Band des Vertrauens entwickeln und alle besprochenen Themen werden vertraulich behandelt.

 

Die meisten geschäftsführenden Unternehmerinnen stimmen überein, dass eine solche Tätigkeit eine sehr vereinsamende Erfahrung sein kann und es schwierig ist, jemanden auf derselben Wellenlänge zu finden, der die Probleme kennt. Mit dem runden Tisch der Initiative „Going for Growth“ sollen diese Schwierigkeiten überwunden werden.

 

Die Initiative ist auf Maßnahmen und Ergebnisse ausgerichtet und beruht auf echten Erfahrungen im Hinblick auf Erfolge und Misserfolge in der Praxis. Die Ergebnisse werden nicht nur in einem höheren Anspruch, einer größeren Motivation und einem stärkeren Selbstvertrauen, sondern auch in zusätzlichem Umsatz, mehr Beschäftigung und der Anzahl der erstmaligen Exporte sichtbar. Im Laufe von sechs Monaten haben die 62 Teilnehmerinnen der letzten Gruppe ihre Umsätze um insgesamt 7,8 Millionen EUR (28 %) gesteigert, die Beschäftigung stieg um 17 % und neun von ihnen traten erstmals als Exporteure auf.

 

Bis heute waren mehr als 450 Unternehmerinnen an einem der acht Zyklen von „Going for Growth“ beteiligt. Viele von ihnen bleiben der Initiative verbunden und ehemalige Teilnehmerinnen haben eine Gemeinschaft zum Lernen, Netzwerken und gemeinsamen Handel gegründet.

 

Die Teilnehmerinnen werden von Enterprise Ireland und KPMP unterstützt und zahlen für die Teilnahme an „Going for Growth“ zunächst keine Gebühr. Nach Beendigung ihres Zyklus zahlen sie jedoch eine geringe Gebühr, wenn sie Mitglied der Gemeinschaft werden wollen.

 

Wer oder was hat Sie zur Gründung von „Going for Growth“ angeregt?

 

Ich widme meine Beratungstätigkeit bereits seit vielen Jahren Unternehmertum und Wachstum und bin nationale Koordinatorin des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) für Irland. Als wir vor 15 Jahren erstmals GEM-Forschung in Irland durchführten, stellte sich heraus, dass mehr Männer als Frauen Jungunternehmer waren, das Verhältnis betrug ungefähr 2,5:1. Da diese Forschung jedes Jahr stattfindet, konnte ich die jährlichen Veränderungen beobachten und die Aufmerksamkeit der politischen Entscheidungsträger darauf lenken. Das Thema wurde beleuchtet und es wurden zahlreiche Initiativen auf lokaler und nationaler Ebene ergriffen, um Frauen zu ermutigen, Unternehmerinnen zu werden und sie in ihrer Entscheidung zu unterstützen.

 

Als ich alles genauer betrachtete, wurde mir klar, dass nicht die bloße Anzahl der Unternehmensgründungen durch Männer und Frauen das eigentliche Problem waren, sondern das, was in den nachfolgenden Jahren passierte. Bei der Ausarbeitung der GEM-Forschung habe ich erkannt, dass der echte Unterschied zwischen den männlichen und weiblichen Jungunternehmern ihr Streben nach Wachstum war. Die Wahrscheinlichkeit, nach fünf Jahren zehn oder mehr Angestellte zu beschäftigen, lag bei männlichen Unternehmern sechs bis sieben Mal so hoch. Dies war ein sehr wichtiger Punkt, denn die positiven Auswirkungen der unternehmerischen Anstrengung auf die Einzelpersonen, ihre Familien, Gemeinschaften und die Gesellschaft waren meistens größer, wenn ihr Unternehmen wuchs und Angestellte hatte.

 

Für mich war das Aha-Erlebnis, zu erkennen, dass die Herausforderung nicht darin lag, mehr Frauen dazu zu bewegen, ein Unternehmen zu gründen, sondern ihnen zu erklären, dass ihre Unternehmen wachsen müssen. „Going for Growth“ ist durch diese Einsicht und die Erkenntnis, dass Unternehmer am besten voneinander lernen, stärker geworden.

 

Vor kurzem habe ich eine neue Initiative ins Leben gerufen: „ACORNS – Accelerating the Creation of Rural Nascent Start-ups“. Sie beruht auf demselben eigenverantwortlichen Ansatz, die freiwilligen leitenden Unternehmerinnen bei ACORNS stammen aus der Gemeinschaft von „Going for Growth“. Sie haben alle Unternehmen im ländlichen Irland gegründet, ausgebaut und erheblich von ihrer Erfahrung mit „Going for Growth“ profitiert, und sind dazu bereit, etwas zurückzugeben, indem sie andere im Anfangsstadium ihrer unternehmerischen Reise unterstützen.

 

Mit Unterstützung des Fonds für ländliche Innovation und Entwicklung von CEDRA über das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung hat der Minister ausgehend vom Erfolg der Pilotphase eine weitere Phase der Initiative angekündigt. Diese wurde kürzlich auf den Weg gebracht.

 

Frauen sind im Bereich Unternehmertum in der Minderheit. Welche großen Herausforderungen müssen sie bei der Gründung eines eigenen Unternehmens bewältigen?

 

Die Gründung eines neuen Unternehmens ist niemals einfach und für männliche und weibliche Unternehmer gleichermaßen mit zahlreichen Hürden verbunden. Unternehmerinnen werden allerdings besonders häufig durch fehlendes Selbstvertrauen und die Neigung, ihre eigenen Fähigkeiten zu unterschätzen, gebremst. Dadurch wird zunächst die Entscheidung einer Frau, Unternehmerin zu werden, beeinträchtigt und diejenigen, die sich für eine unternehmerische Laufbahn entscheiden, haben aus diesem Grund oft geringere Ambitionen für ihr neues Geschäft als Männer.

 

Im GEM stellen wir der Allgemeinbevölkerung folgende Frage: Glauben Sie, die Kompetenzen und Kenntnisse zu haben, um ein neues Geschäft erfolgreich zu gründen und zu leiten? Jedes Jahr beantworten deutlich mehr Männer diese Frage mit „Ja“. Das trifft nicht nur auf Irland, sondern auf nahezu alle Länder in Europa und Nordamerika zu.

 

Durch ihre Entscheidung, einfach nur eine Beschäftigung für sich zu schaffen, anstatt ein Unternehmen aufzubauen, verurteilen sich viele Frauen selbst dazu, länger und zu schlechteren Bedingungen zu arbeiten als zu Zeiten ihrer Anstellung.

 

Mit „Going for Growth“ und jetzt ACORNS klären wir auf, dass Frauen die „Erlaubnis“ haben, erfolgreich zu sein, indem wir ihnen näherbringen, wie andere Frauen dieselben Herausforderungen gemeistert und Hindernisse aus dem Weg geräumt haben, vor denen sie selbst stehen. Wenn sie sehen, wie sie mithilfe der Unterstützung anderer Frauen in ähnlicher Situation ihren Zielen näherkommen, verringert dies ihre psychologische Isolation und erhöht gleichzeitig das Selbstvertrauen.

 

Könnten Sie uns eine Erfolgsgeschichte einer der Unternehmerinnen erzählen, die von der Hilfe von „Going for Growth“ profitiert haben?

 

Anne Cusack von Critical Healthcare hat einen wissenschaftlichen Hintergrund und am Trinity College Dublin einen Doktortitel erworben. Ihre Laufbahn begann sie Anfang der 1990er Jahre bei Pfizer, bevor sie zu Biotrin International, einem Diagnostik- und Biotechnologie-Unternehmen, wechselte. Sie erzählte mir: „Im Laufe der Zeit bemerkte ich, dass ich neu bewerten musste, wie ich meine Laufbahn fortsetzen will.“

 

Als Anne den Gesundheitsmarkt auf Möglichkeiten für sich in Irland prüfte, erkannte sie eine Lücke in der Notfallversorgung, die eine radikale Verbesserung erforderlich machte. So gründete sie im Jahr 1999 Critical Healthcare. Im Jahr 2012 nahm Anne am fünften Zyklus von „Going for Growth“ teil.

 

Mittlerweile stellt das Unternehmen mehr als 2 000 Produkte für den medizinischen Notfall her und vertreibt diese an Rettungsdienste, Feuerwehren und den präklinischen Markt in Irland und im Vereinigten Königreich. Das Unternehmen sicherte sich kürzlich mit Medlogistix Großaufträge der britischen Arbeitsschutzbehörde, der Feuerwehr Dublin und der Irischen Küstenwache. Medlogistix wurde auch bei den drei größten privaten Rettungsdienstbetreibern im Vereinigten Königreich übernommen, außerdem laufen Tests mit MediQuilt bei zwei Rettungsgesellschaften des nationalen britischen Gesundheitsdienstes.

 

Anne merkt, dass sie durch die Teilnahme an „Going for Growth“ viele greifbare Ergebnisse erzielt hat: „Ich hatte ein ziemlich gesundes Lifestyle-Unternehmen in einem schwierigen Markt und dachte, wir hätten unser Potenzial ausgeschöpft. Wir hatten ein kontinuierliches Wachstum von etwa 10 % im Jahr auf dem irischen Markt und beschäftigten ein Team von 8-10 Personen. Seit der Teilnahme an „Going for Growth“ habe ich nicht nur persönlich dazugelernt und mich weiterentwickelt, sondern auch das Unternehmen wächst seitdem jährlich um mehr als 30 % und unsere Exportumsätze steigen jedes Jahr. Heute beschäftigen wir 20 Mitarbeiter und planen, auf dem europäischen Festland zu expandieren.“

 

Anne und ihr Team haben zahlreiche Preise gewonnen, u. a. den SFA Innovation Award 2013 und den IMSTA (Irish Medical and Surgical Trade Association) Best Services Company Award 2014. 

 

Anne Cusack ist Mitglied der Gemeinschaft von „Going for Growth“ und eine freiwillige leitende Unternehmerin bei ACORNS.

 

Welchen Rat geben Sie Jungunternehmern?

 

Es fühlt sich vielleicht wie eine Achterbahnfahrt an und es sind Ausdauer und Beharrlichkeit gefragt. Suchen Sie nach Unterstützung, wo auch immer sie zu finden ist, und scheuen Sie sich nicht, um Hilfe zu bitten. Viele erfolgreiche Unternehmer werden sich tendenziell viel Zeit für Sie nehmen, da sie sich daran erinnern, wie es bei ihnen anfangs lief.

 

Haben Sie ein Lieblingszitat oder Motto?

 

Man sollte es mit einer klaren Vision im Blick immer weiter versuchen und andere Menschen so behandeln, wie man es für sich selbst wünscht.