Millionen Menschen leiden unter Einsamkeit: dagegen hat ein norwegisches Start-up hat innovative Kommunikationsmittel entwickelt

Karen Dolva

Picture Copyright: No Isolation

 

 

Einsamkeit gehört zu den größten Problemen, mit denen es Menschen heute zu tun haben. Die frühzeitige Sterblichkeit steigt durch Einsamkeit um 26 % und das Risiko von Herzerkrankungen und Schlaganfällen um 29 bzw. 32 %. Karen Dolva, Mitbegründerin des norwegischen Start-ups, gründete No Isolation, ein Technologieunternehmen, das Kommunikationshilfen für dieses Problem entwickelt. Sie ist außerdem eine der vier Gewinnerinnen des EU-Innovationspreises für Frauen 2018.

 

Nach ihrem Studium der Informatik und des Interaktionsdesigns arbeitete sie in einem Technologiegründerzentrum für Start-ups in Oslo, was sie enorm inspirierte, da sie durch „die Arbeit mit diesen brillanten Menschen, denen ihre Projekte wirklich am Herzen lagen“, erkannte, dass sie genau das auch machen wollte.

 

Bei der Unternehmensgründung 2015 hatten Karen Dolva und ihre beiden Mitstreiter keine bestimmte Produktidee im Kopf, sie wussten nur, dass sich niemand einsam und vom täglichen Leben ausgeschlossen fühlen sollte. „Wir merkten sehr schnell – wirklich indem wir einfach hinsahen –, dass nicht nur Kinder unter Einsamkeit leiden ... Einsamkeit ist ein ganz alltägliches Problem“, so Dolva.

 

Da ihnen klar war, wie wichtig technische Geräte wie Tablets, Computer und Telefone in unserem Alltag, aber auch bei der Behandlung kranker Menschen (insbesondere Kinder) sind, entwickelte No Isolation mit AV1 einen Telepräsenzroboter als Avatar für langzeiterkrankte Kinder. Er ist motorisiert und 4G-fähig, sodass er überallhin mitgenommen werden kann.

 

„Der Roboter ist in der Schule, auf dem Schulhof und bei Ausflügen dabei, und das Kind kann ihn von zu Hause aus steuern. Es kann durch ihn sprechen, sehen und hören. Es ist fast so, als wäre das Kind persönlich anwesend. Wenn es angemeldet ist, hat das Kind die vollständige Kontrolle und kann entscheiden, wohin es blickt“, erklärt Karen Dolva.

 

Neben dem AV1 bietet No Isolation außerdem ein Produkt an, das die Einsamkeit älterer Menschen bekämpft: KOMP. Angehörige und Freunde können Bilder und Nachrichten an das Gerät senden und Videoanrufe tätigen. Da es sich nur um einen Bildschirm mit einer Taste handelt, ist KOMP simpler als andere Kommunikationshilfen, sodass ältere Menschen ihn leichter bedienen können.

 

Karen Dolva zufolge lässt sich unter sozialen Gesichtspunkten durch die Bekämpfung der Einsamkeit Geld einsparen. Das Problem sollte aber auch auf persönlicher Ebene angegangen werden, denn „unser Ziel muss darin bestehen, Menschen zu helfen, sich besser und glücklicher zu fühlen“. Und genau darum geht es bei No Isolation in erster Linie. Die Menschen können sich vorbereiten und „Produkte nutzen, die Brücken schlagen und Einsamkeit unwahrscheinlicher machen können.“

 

No Isolation kann derzeit stolz auf 61 Mitarbeiter verweisen, wobei über 40 % der Belegschaft weiblich ist, was Karen Dolva besonders bemerkenswert findet. Anderen potenziellen Unternehmern würde sie davon abraten, ein Unternehmen nur aus finanziellen Motiven zu gründen, da es dafür viel einfachere Möglichkeiten gibt. „Ich würde vorschlagen, sich mit starken Beratern zu umgeben, Menschen, denen man wirklich vertraut. Für mich war es extrem wertvoll, die Unterstützung von erfahreneren Kollegen zu haben, die das alles schon durchgemacht hatten", so Dolva.

 

Ihr wichtigster Ratschlag ist, glücklich zu bleiben, „weil das die größte Reise ist, auf die Sie sich jemals einlassen werden – also genießen Sie sie!“