Frauen schlagen Männer laut Untersuchung beim Seed-Crowdfunding

25 Juli, 2017

Eine Untersuchung von PwC und The Crowdfunding Centre zeigt, dass von Frauen durchgeführte Crowdfunding-Kampagnen erfolgreicher sind als die von Männern. „Women Unbound: Unleashing female entrepreneurial potential“ (Frauen ohne Fesseln: das unternehmerische Potenzial von Frauen freisetzen) stellte fest, dass Männer zwar in der Seed-Phase eines Unternehmens häufiger Crowdfunding nutzen, aber Frauen in allen Branchen und geografischen Regionen auf der ganzen Welt ihre Finanzierungsziele erfolgreicher erreichen.

 

Im Rahmen der Untersuchung wurden 450 000 Seed-Crowdfunding-Kampagnen der neun größten Crowdfunding-Plattformen analysiert. Es wurde festgestellt, dass von Frauen durchgeführte Kampagnen ihre Finanzierungsziele mit 32 % mehr Erfolg erreichten als von Männern durchgeführte Projekte.

 

Männer setzen sich normalerweise hohe Finanzierungsziele, doch von Frauen durchgeführten Projekten werden im Durchschnitt höhere Beträge zugesagt als von Männern durchgeführten Kampagnen. Durchschnittlich erhalten Frauen von ihren Unterstützern 74,67 €, Männer dagegen nur 71,24 €.

 

Frauen sind in den USA und dem Vereinigten Königreich, den beiden Ländern mit dem höchsten Kampagnenvolumen, erfolgreicher. In Europa waren 14 % der von Frauen durchgeführten Kampagnen erfolgreich, im Vergleich zu 7 % der von Männern durchgeführten Kampagnen.

 

Laut der Untersuchung ist einer der wichtigsten Vorteile von Seed-Crowdfunding die Bestätigung durch den Markt. Durch eine Crowdfunding-Kampagne erhalten Unternehmer die Chance, ein Produkt im Voraus zu verkaufen. Weitere Vorteile sind unter anderem, dass es durch Crowdfunding wahrscheinlicher wird, dass Partnerschaften mit anderen Organisationen geschlossen werden können, und dass man leichter gute Mitarbeiter anziehen und binden kann.

 

Laut der Untersuchung wurde Seed-Crowdfunding zwar zunächst für die Beschaffung von Finanzmitteln eingerichtet, inzwischen eröffnet es aber eine Vielzahl von Möglichkeiten, die über den Zugang zu Mitteln hinausgehen. Seed-Crowdfunder bauen eine Beziehung zum Markt auf und lernen früher als Unternehmer, die traditionellere Wege der Mittelbeschaffung nutzen, mehr darüber, wie man ein Unternehmen führt.

 

Darüber hinaus zeigt die Untersuchung, dass von Frauen geführte Kampagnen vor allem deshalb erfolgreicher sind, weil Crowdfunding viel mehr Entscheidungsträgerinnen (Geldgeberinnen für Projekte und Mikrorisikokapitalgeberinnen) anzieht, stärkt und fördert als traditionelle Wege der Mittelbeschaffung.  Crowdfunderinnen bedienen sich in ihren Videos und Pitchs außerdem einer emotionaleren und inklusiveren Sprache als Männer. Sowohl weibliche als auch männliche Unterstützer finden diese Sprache ansprechender, stellte die Untersuchung fest.

 

Dennoch zeigt der Bericht, dass der Zugang zu angemessener Finanzierung für von Frauen geführte Unternehmen weiterhin eine Herausforderung ist, da die meisten Entscheidungsträger in der traditionellen Risikokapitalbranche männlich sind.

 

Studien haben ergeben, dass Risikokapitalgeber mit ausschließlich männlichen Partnern eher in Unternehmen unter männlicher Führung investieren.

 

Der Bericht schließt mit der Feststellung, dass die Finanzierungslücke eine verpasste Gelegenheit sei: In von Frauen geführte Unternehmen zu investieren oder sie zu unterstützen, könnte für sehr hohe Renditen sorgen – für die Anleger und für die Gesellschaft.