Ehemaliger The-Apprentice-Star Melody Hossaini: Fragt Mädchen, „wer“ sie sein wollen, nicht „was“

Melody Hossaini

Die ehemalige The-Apprentice-Teilnehmerin Melody Hossaini ist der Meinung, dass es jungen Menschen helfen könnte, Entscheidungen zu treffen und glücklicher zu sein, wenn man ihnen beibringen würde, ihren Beruf danach auszuwählen, „wer“ sie sein wollen, wenn sie älter sind, anstatt „was“.

Sie erklärt: „Wenn wir klein sind, werden wir gefragt: ‚Was möchtest du werden, wenn du mal groß bist?‘, aber nur selten stellt uns jemand die viel wichtigere Frage: ‚Wer möchtest du sein?‘. Wir arbeiten im Lauf unseres Lebens vielleicht in verschiedenen Berufen, aber tief im Innern bleiben wir immer dieselben – dort hat alles seinen Ursprung.“

 

Als ehemaliger Kriegsflüchtling aus dem Iran waren Melodys Entschlossenheit und Mut der Hauptmotor ihres Lebens, weniger ihr Berufswunsch.

 

„Ich wurde in einen Krieg hineingeboren, bin in Schweden aufgewachsen und habe eine Leidenschaft für soziale Gerechtigkeit sowie Dankbarkeit für alle Chancen, die ich ergreifen konnte, entwickelt – dieser Hintergrund hat mich dorthin gebracht, wo ich heute bin“, erklärt Melody.

 

Als Kind wurde ihr Nachbarhaus von einer Bombe getroffen und ihre Familie floh nach Europa. Bis dahin musste Melody zahlreiche beängstigende Situationen überstehen. Zum Beispiel wurde sie einmal von Einbrechern gefesselt, geknebelt und mit einer Waffe bedroht, ein anderes Mal wurde sie mitten in der Wüste ausgesetzt.

 

Im Alter von 13 Jahren zog Melody mit ihrer Familie von Schweden in das Vereinigte Königreich, um einen neuen Anfang zu wagen, und musste oft mit nur wenig zurechtkommen.

 

„Als ich aufwuchs, sparte meine Mama dafür, dass wir die Welt sehen und Erfahrungen machen, nicht, dass wir uns die neuesten Nikes kaufen konnten. Diese Entscheidung hat dazu geführt, dass wir gemobbt wurden, weil wir nicht die neuesten Must-haves hatten, aber trotzdem bin ich ihr unendlich dankbar dafür, denn diese Erkenntnisse und Erfahrungen haben meine Leidenschaft für Menschen geformt“, erklärt sie.

 

Diese Leidenschaft führt dazu, dass sie noch im gleichen Jahr das britische Jugendparlament mitgründete, obwohl sie nicht fließend Englisch sprach. Nach der Uni in Oxford Brooks gründete Melody ohne einen Cent auf ihrem Konto und nur mit einer kostenlosen E-Mail-Adresse das Sozialunternehmen InspirEngage International.

 

InspirEngage ist eine führende Organisation in den Bereichen Kompetenzschulung und Mitarbeiterentwicklung. Das Ziel ist, Menschen zu helfen, erfolgreich zu sein, indem sie der Gesellschaft etwas zurückgeben. Es unterstützt nicht nur die Selbstentfaltung durch eine „Kompetenzgrundausbildung“, sondern entwickelt auch Kurse zum Thema Sozialunternehmen, die Schulen in ihre Lehrpläne integrieren können.

 

Aus rund 75 000 Bewerbern ausgewählt, wurde Melody im Vereinigten Königreich als Teilnehmerin der 7. Staffel von The Apprentice bekannt. In der Show wurde Melody von Moderator Sir Alan Sugar oft für ihre „Rücksichtslosigkeit“ kritisiert, während ihre männlichen Kollegen häufig für den gleichen Charakterzug gelobt wurden.

 

„Ich stellte fest, dass man bei The Apprentice einem ehrgeizigen Mann auf die Schulter geklopft und ihm dafür gratuliert hat, aber dass es oft als rücksichtslos und negativ angesehen wurde, wenn eine Frau genauso ehrgeizig war“, führt Melody aus.

 

Als erste Sozialunternehmerin der Show hoffte Melody, eine andere Seite der Geschäftswelt, in der jeder gegen jeden kämpft, zeigen und ihre neu gefundene Plattform nutzen zu können, um ihre Arbeit zu unterstützen, mit der sie „Menschen helfen will, ihren Lebenssinn zu finden“.

 

Seit ihrer Zeit bei The Apprentice konnte Melody ein Abrücken von dieser Mentalität feststellen und hat „hart daran gearbeitet, Frauen und Mädchen durch unsere Programme dabei zu unterstützen, zu wachsen und zu gedeihen, und ich erkenne langsam ein Umdenken, auch wenn noch ein weiter Weg vor uns liegt“.

 

Melody, die demnächst zum zweiten Mal Mutter wird, findet auch, dass im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf von Frauen noch weiterer Verbesserungsbedarf besteht. Sie erklärt: „Es bleibt immer noch viel zu tun, damit Frauen eine Pause machen und eine Familie gründen können und gleichzeitig die Chance haben, im Beruf Erfolg zu haben.“

 

Trotz alldem ist Melody, was die Arbeitswelt für Frauen angeht, optimistisch und fügt hinzu: „Als Frau in der Wirtschaft kann ich sagen: Die Dinge entwickeln sich in die richtige Richtung.“

 

Trotz der traumatischen Erfahrungen, die sie in ihrem Leben überwinden musste, glaubt Melody fest daran, dass „echte Lösungen nie aus Hass geboren werden, sondern nur möglich sind, wenn wir praktisch, tolerant und innovativ sind.“