ALS IHRE BEWERBUNGSSCHREIBEN UNBEANTWORTET BLIEBEN, GRÜNDETE MARIAROSY CALLERI EIN EIGENES UNTERNEHMEN.

Mariarosy Calleri
Founder of Marden Entertainment

 Wenn wir darüber nachdenken, wie wir unsere Talente und Fähigkeiten nutzen können, um Probleme in der Gesellschaft oder in bestimmten Zielgruppen zu lösen, erweitern wir unser Leben und entstehen neue Möglichkeiten.

Mariarosy Calleri, Gründerin von Marden Entertainment

  • Unternehmerin im Bereich Film, TV und neue Medien
  • Professorin für Filmproduktion und digitale Medien an der Loyola University Chicago, Campus Rom
  • Präsidentin der Nichtregierungsorganisation R.O.S.A. – Remove Obstacles to Social Awareness (Abbau von Barrieren für das soziale Bewusstsein)

Nach glücklosen Versuchen, ihren Traumjob zu finden, ergriff Mariarosy Calleri selbst die Initiative und gründete stattdessen ihr eigenes Unternehmen. Neben ihrer Tätigkeit als Film- und TV-Autorin, Regisseurin und Produzentin ist Mariarosy die Präsidentin von R.O.S.A. Diese gemeinnützige Organisation fördert den fairen Zugang zu innovativer und konkurrenzfähiger Bildung und trägt zugleich international zu globaler, aktiver Bürgerschaft, Chancengleichheit, innovativem Denken und der Förderung der Unternehmerkultur unter Frauen und jungen Menschen bei. In unserem Interview betont die zweifache Mutter, dass eine Unternehmensgründung und die Nutzung der eigenen Talente eine Möglichkeit darstellen können, umfassendere gesellschaftliche Probleme zu lösen und anderen zu helfen.

 

WEgate: Können Sie uns mehr über Ihr Unternehmen erzählen?

 

Mariarosy Calleri: Ich habe Marden Entertainment 2005 zusammen mit Dennis Usher gegründet. Unser Ziel war es, zur Entwicklung des neuen europäischen Films und zu innovativer Bildung beizutragen. Mit dem Aufkommen der neuen Medien spezialisierten wir uns auf Web-Serien und sogenannte Edutainment-Produkte, die auf unterhaltsame Weise Bildungsinhalte vermitteln.

 

Seit 2012 entwickele ich eine WebTV-Plattform für europäische Unternehmer, die Unternehmerkultur und Bildung fördern soll. Dabei schlage ich auch ein Medienmodell und bewährte Verfahren für innovatives Denken und Gender Mainstreaming vor. Ich denke, die Menschen heutzutage brauchen positive, proaktive weibliche Rollenvorbilder, die sie dazu inspirieren und anregen können, die Realität mit anderen Augen zu sehen – nämlich vor allem Möglichkeiten zu sehen und zu ergreifen, wo keine vorhanden zu sein scheinen. Ich hoffe, dieser Traum lässt sich verwirklichen.

 

Was unsere Mitarbeiter anbelangt, arbeiten wir in der Regel mit Freiberuflern zusammen, je nachdem, welche Art von Aufgaben wir liefern müssen und wie umfangreich sie sind. Unser Wachstumspotenzial ist unbeschränkt, denn wir setzen ein Geschäftsmodell ein, dass sich einfach erweitern oder verkleinern lässt, ohne dass uns die Gemein- und Lohnkosten über den Kopf wachsen.

 

Was oder wer hat Sie dazu inspiriert, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

 

Nach sieben Jahren in New York, wo ich einen Master-Abschluss im Bereich Medienwissenschaft und Film an der New School University erworben und bei meiner Tätigkeit für einige erstklassige US-Rundfunkanstalten viele Erfahrungen gesammelt hatte, kehrte ich im Jahr 2000 nach Italien zurück. Als ich in Rom ankam, schickte ich meinen Lebenslauf an RAI und andere Medienanstalten, bekam aber nie eine Antwort. Also dachte ich mir: Wenn ich niemanden finde, der mich einstellen und mir das zahlen will, was ich verdiene, gründe ich eben mein eigenes Unternehmen und erwirtschafte mein eigenes Gehalt mit meinen Fähigkeiten und meinem Fachwissen.

 

Ich bin Unternehmerin der ersten Generation. Was mich inspirierte, war die Notwendigkeit zu arbeiten und mich als Medien-Profi zu verwirklichen. Diese in Eigenregie gestaltete Laufbahn als Unternehmerin hat mir außerdem ermöglicht, mich als kreativer Mensch und als Multimedia-Künstlerin auszudrücken. Gleichzeitig bin ich meinen zwei Jungs eine inspirierende Mutter.

 

Mit welchen Herausforderungen waren Sie konfrontiert, als Sie sich zur Unternehmensgründung entschlossen hatten? Bekamen Sie Unterstützung von Organisationen?

 

Für uns war die größte Herausforderung, dass wir keine Erfahrungen als Unternehmer und keine Rollenbilder hatten, auf die wir uns beziehen konnten. Auch der finanzielle Aspekt hat uns ziemlich zu schaffen gemacht, aber unser Geschäftsplan gewann Unterstützung in Form eines Regionalfonds und einer Bankgarantie. Damit konnten wir unser Unternehmen gründen und auf dem internationalen Markt durchstarten.

 

Die Regionalagenturen BIC Lazio und Sviluppo Lazio haben uns bei der Finanzierung und Gründung unseres Unternehmens unterstützt. BIC Lazio hat uns zudem in einige internationale Netzwerkveranstaltungen innerhalb und außerhalb Italiens einbezogen. Das half uns dabei, viele nationale und internationale Partner zu finden und das Niveau und die Qualität unserer Dienstleistungen auf die Probe zu stellen.

 

Bei der Förderung unseres Unternehmens auf lokalen und nationalen Märkten erhielten wir Unterstützung von einigen auf Frauen ausgerichteten Organisationen. So hat uns zum Beispiel der Ausschuss für die Förderung des weiblichen Unternehmertums der römischen Handelskammer geholfen, den Dokumentarfilm „Superdonne Invisibili“ (Unsichtbare Superfrauen) zu produzieren und an die Schulen im Raum Lazio zu bringen. Dieser Dokumentarfilm stellt neun Geschichten italienischer Unternehmerinnen vor. Diese medienübergreifenden Profile bieten Schülern und jungen Menschen alternative weibliche Rollenvorbilder, die sich von denen unterscheiden, die normalerweise im italienischen Fernsehen gezeigt werden.

 

Das Unternehmertum gilt häufig immer noch als Männerdomäne – was würden Sie jungen Frauen raten, die Unternehmerinnen werden möchten?

 

Haben Sie keine Angst zu scheitern. Nur diejenigen, die ihre eigenen Grenzen herausfordern und sich dem Unbekannten stellen, können wirklich glücklich und zufrieden mit ihrem Leben sein.

 

Welcher Teil Ihrer Arbeit macht Ihnen am meisten Spaß?

 

Mir gefällt es, mir ständig neue Wege und Möglichkeiten auszudenken, um Ziele zu erreichen, und Projekte zu gestalten, die umsetzbar, nachhaltig und nützlich sind. Wenn wir darüber nachdenken, wie wir unsere Talente und Fähigkeiten nutzen können, um Probleme in der Gesellschaft oder in bestimmten Zielgruppen zu lösen, erweitern wir unser Leben und entstehen neue Möglichkeiten.

 

Dass ich ständig konkurrenzfähig und kreativ sein muss, finde ich spannend und ermüdend zugleich... aber ich würde mein Leben nicht gegen ein anderes eintauschen, zumindest bis jetzt nicht. Da ich immer mehrere Projekte gleichzeitig unter einen Hut bekommen muss, kann ich meine unterschiedlichen Fähigkeiten und die verschiedenen Seiten meines Wesens zum Ausdruck bringen, die unterschiedlichen Facetten meiner Persönlichkeit befriedigen und meine vielen verschiedenen Leidenschaften ausleben. Ich bin glücklich mit dem Weg, den ich gewählt habe, und ich hoffe, dass ich andere dazu ermutigen und inspirieren kann, ihre Träume zu verwirklichen.

 

Lieblingszitat/-motto?

 

Genau genommen habe ich zwei persönliche Mottos:

 

  1. Gib in jedem Aspekt deines Lebens das Beste.
  2. Das Beste kommt noch.