„Es ist wichtig, Unternehmerinnen nicht in eine Ecke zu drängen“, findet Sozialunternehmerin Sabien Windels

Sabien Windels

Für Sabien Windels, die CEO mit dem grünen Daumen des städtischen Landwirtschaftsunternehmens ROOF FOOD, ist der Faktor, der eine Unternehmerin am meisten definiert, nicht ihr Geschlecht, sondern, woran sie glaubt. „Ich bin eine Frau, aber ich sehe mich nicht als Botschafterin für Frauen“, führt sie aus. „Ich habe die gleichen Fähigkeiten wie ein Mann.“ Für Sabien liegt das eigentliche Problem woanders: „Ich fühle mich meiner Eigenschaft als Sozialunternehmerin viel stärker verbunden. Wir müssen die Wirtschaft in einem anderen Licht sehen, wenn wir hier bleiben wollen.“

Genau dieses Gefühl steht im Zentrum von Sabiens Unternehmen. ROOF FOOD, das 2015 im belgischen Gent gegründet wurde, will den Menschen die Intelligenz der Natur nahebringen. Sabien und ihr Team haben eine Parzelle auf dem Dach des Du-Pont-Gewerbezentrums, die das Herzstück ihres Betriebs ist. Hier bauen sie eine große Bandbreite an Obst- und Gemüsesorten an, um Unternehmen nachhaltiges Catering bereitzustellen. Darüber hinaus betreiben sie eigene Pop-up-Restaurants und nutzen ihre Erzeugnisse als Ausgangspunkt, um auf dem Dach selbst durchgeführte Teambildungsübungen für Unternehmen zu inspirieren.

 

Der Weg zur Gründung von ROOF FOOD begann, als Sabien gerade ihr Studium in Wirtschaftsingenieurswesen abgeschlossen hatte. Bei ihrer Arbeit als Forscherin an einer Universität in Gent entwickelte sie eine Faszination dafür, wie die Städte der Zukunft – z. B. im Hinblick auf Energie, Lebensmittel und Platz – aussehen könnten. Diese Ideen lösten einen Gedankengang aus, durch den sich Sabiens Sicht auf die städtebauliche Gestaltung vollständig veränderte.

 

Ich sah die Stadt plötzlich anders. Wir haben all diese Dächer, die wir nicht verwenden – das ist einfach Verschwendung. In unseren Städten gibt es begrenzt Platz und viel Wettbewerb – die Menschen kämpfen darum.“ Sabien glaubt, dass wir, wenn wir beginnen, den gesamten zur Verfügung stehenden Platz zu nutzen, ein angenehmeres Umfeld für alle schaffen können. „So sollten sich unsere Städte entwickeln“, fügt Sabien hinzu.

 

Sabien arbeitet in einem kleinen, vor allem aus Frauen bestehenden Team und es ist klar, dass ihr Leben als Unternehmerin bestimmte Vorteile für sie hat. „Ich hatte als Frau mit keinen besonderen Herausforderungen zu kämpfen“, erklärt sie. „Manchmal war es tatsächlich umgekehrt. Frauen gehen in der Geschäftstätigkeit häufig anders vor, sind sensibler. Es geht nicht nur ums Geldverdienen, sondern darum, einen Sinn zu finden. Eine auf den Menschen ausgerichtete Organisation ist der ideale Ort, um diese Neigung zu pflegen.“

 

Darüber hinaus hat sie das Gefühl, dass die Herausforderungen, die Frauen in der Geschäftswelt wahrnehmen, mehr Vor- als Nachteile bringen könnten. „Wer zu hart arbeitet, setzt sich der Gefahr eines Burn-outs aus“, sagt sie. „Wer eine Familie hat, hat vielleicht nur eingeschränkt Zeit – aber das ist etwas Gutes. Es motiviert einen, noch zeiteffizienter zu werden, sodass man sich auch auf andere Sachen als nur die Arbeit konzentrieren kann.“

 

Wenn es darum geht, Respekt und Bewunderung zu gewinnen, stellt Sabien klar, dass der Schlüssel „Gewissenhaftigkeit“ lautet. „Skeptiker stellten schnell fest, dass ich einen technischen Hintergrund und einen soliden Finanzplan hatte. Nach einem Jahr der gründlichen Vorbereitung gewann ich enorm an Glaubwürdigkeit.“ Darüber hinaus ist Flexibilität unerlässlich, um eine Idee in ein wirtschaftlich tragfähiges Unternehmen zu verwandeln. „Ihre Idee wird sich im Verlauf des ersten Jahrs verändern. Ich habe ein Jahr damit verbracht, mit Tausenden Menschen zu sprechen, und danach konnte ich jede Frage beantworten, die mir gestellt wurde.“

 

Wie sehen die nächsten fünf Jahre für ROOF FOOD aus? Sabien und ihr Team konzentrieren sich darauf, in ihrem Fachbereich noch mehr spezialisierte, umfassende Kenntnisse zu erwerben. Sie möchte ein Buch über den Anbau und die Zubereitung von nachhaltigen Lebensmitteln schreiben, um diese Praktiken im Allgemeinwissen zu verankern. Darüber hinaus zeichnen sich Partnerschaften mit anderen Unternehmen, städtischen Landwirtschaftsprojekten und Schulen ab.

 

Letztendlich steht die Natur nicht nur im Zentrum der Leistungen, die Sabien anbietet, sondern inspiriert auch, wie sie ROOF FOOD führt. Sie erklärt: „Wir expandieren unser Unternehmen organisch, durch gute, feste Wurzeln. Unternehmen, die zu schnell wachsen wollen, scheitern häufig.“

 

„Wie schon Charles Darwin sagte: Am Ende überlebt der Stärkere. Unser Unternehmen begann mit einer Reihe verschiedener Ideen und Aktivitäten, jetzt konzentrieren wir uns auf die wichtigsten. Wie auch in der Natur, überlebt nur der Stärkere.“